Gastwirtschaft wird zum „Gast-Haus“ für pflegebedürftige Gäste
- Erstellt von Gerd Sander, Pfr. i.R.
- Diakonie Verein
Da kommt ein ehemaliger Rohrer nach Jahren in sein Heimatdorf und will in der Gastwirtschaft Böhm nicht nur Mittag essen, sondern auch alte Bekannte des ehemaligen Stammtischs treffen, um zu hören, was sich so alles in Rohr geändert hat. Er kann die große Veränderung erst gar nicht glauben:
Da hat sich doch wirklich „beim Böhm“ die bisherige Diakoniestation eingenistet und in sehr hellen, freundlichen Räumen die Tagespflege-Station für die gesamte Region der Großgemeinden Rohr und Kammerstein mit allem, was dazu gehört, eingerichtet. Großartig!
Der Besucher staunt und freut sich riesig darüber, was aus den Anfängen in den 44 Jahren seither aus dem diakonischen Pflegedienst geworden ist. Er erinnert sich an die spontane Reaktion des damals fast 80jährigen, ehemaligen Rohrer Mesners Hörlein, als der hörte, dass der Kirchenvorstand beschlossen hat, einen Diakonieverein zu gründen, um die häusliche Pflege und die Begleitung kranker Menschen zu ermöglichen. Seine Reaktion –ich zitiere – „Das ist eine gute Entscheidung, da könnt ihr mich gleich als erstes Mitglied einschreiben. Denn solch‘ einen Dienst braucht man – und wenn ich es selber nicht brauche, ist es noch besser.“
In der Zwischenzeit hat sich die Anzahl der Pflegebedürftigen so sehr gesteigert, dass zusätzlich Fachkräfte und Helferinnen angestellt wurden. Was bisher jedoch fehlte, war ein Ort und Räumlichkeiten, wo sich Pflege-Patienten treffen können, um Gemeinschaft mit ebenfalls Betroffenen zu erleben: Wo man sich miteinander unterhalten kann, wo man sich gegenseitig ermutigt, wo man neue Kraft und Hoffnung schöpfen kann, wo man tagsüber auch mit Essen und Getränken versorgt wird, wo verschiedene Aktivitäten angeboten werden: Kurzum bisher fehlte das Angebot der Tagespflege.
Die Kosten für einen Teil der angebotenen Hilfeleistungen übernimmt die Pflegeversicherung. Doch die notwendigen Räumlichkeiten, deren Ausbau, Mietkosten und Unterhalt, auch notwendige Anschaffungen müssen anderweitig geschultert werden. Dazu braucht es einen starken Verein, der mit den Mitgliedsbeiträgen und auch erbettelten Spenden solch eine Tagespflege tragen kann. Der Besucher, ein Mitbegründer des Diakonievereins Rohr und Umgebung vor 44 Jahren, stellt sich heute die bange Frage: Hat denn dieser Verein die Kraft und die Mittel, diese wunderbare Einrichtung des „Gast-Hauses“ effektiv zu schultern? Die nun fertiggestellten Räumlichkeiten, deren Einrichtung und Unterhalt wird zur Herausforderung an alle Familien im Tätigkeitsbereich der Diakoniestation, sich voll hinter diese Einrichtung zu stellen und Mitglied zu werden im tragenden Diakonieverein. Das Gemeinschafts-Bewusstsein in unseren Dörfern kann doch nicht ganz verschwunden sein. Für alle Pflegebedürftigen brauchen wir diese Einrichtung. Darum blüht die Hoffnung neu auf, dass sehr viele noch gesunde Mitmenschen, die es nicht schon längst getan haben, dem alten Rohrer Mesner nacheifern und ihre Mitgliedschaft im Diakonieverein anmelden. Wie hatte er gesagt: „Diesen Dienst braucht man – und wenn man ihn persönlich nicht in Anspruch nehmen muss – umso besser.“






